23. Februar 2021

Plogging ist doch Sport

Ich gebe zu, ich kannte viele Gründe, die Plogging-Aktion an mir vorbeiziehen zu lassen: “Was bringt das schon, wenn ich ein wenig Müll aufsammle? Sieht doch bald wieder so aus!” oder: “Das passt nicht in den Trainingsplan!” oder: “Der Beutel ist lästig beim Laufen, aber wirklichen Effekt hat das Training ja nicht!”

Heute stand ein ruhiger Lauf auf dem Plan, so dass die Gegenargumente zwei und drei nicht zogen und das erste Gegenargument schnell als die faule Ausrede meines inneren Schweinehundes entlarvt werden konnte. Also vor dem Loslaufen schnell einen Müllbeutel gegriffen und ab ging es. Bis Kilometer 2 war der fette Köter in mir noch stärker: “das Plasitk rechts und links des Weges wird sicher jemand anders aufheben!”. Ab Kilometer 3 war dann der Ehrgeiz geweckt. Ein Stück Plastikplane hier, eine Plastikflasche dort und gleich danach eine leere Capri-Sonne. Innerhalb kürzester Zeit füllte sich der Beutel. An einen angenehmen Laufrhythmus war nicht mehr zu denken. Lostraben, stoppen, bücken, Tüte auffriemeln, Müll hinein und weiter! Beim Laufen die geeignete Haltung des Beutels suchen: am Griff baumeln lassen, eng gefasst halten, mit der rechten Hand, mit der linken Hand oder vor dem Bauch halten? Ich war ganz schön beschäftigt!

Am Ende des 3. Kilometers der Laufstrecke machte ich dann den entscheidenden “Fehler”: ich nahm eine Glasflasche mit. Schon wurde die Tüte schwerer. Dann kamen weitere hinzu und die Frage, wie die Tüte am besten zu halten war, gewann immer mehr an Bedeutung. Der ruhige Lauf wurde zunehmend anstrengender!

Dass Plogging in unseren Breiten kein gewöhnlicher Sport ist, konnte ich an den neugierigen oder misstrauischen Blicken einer Anwohnerin erkennen. Machte ich mit dem Müllbeutel am Handgelenk so einen merkwürdigen Eindruck oder hatte sie Angst, dass ich den Unrat in die am Weg stehende Papiertonne werfen würde? Sie ließ mich jedenfalls keinen Moment aus den Augen!

Nachdem ich dann nicht widerstehen konnte noch ein paar Flaschen aus dem Graben zu fischen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren und in das Schmelzwasser hineinzufallen, kapitulierte ich am Ende von Kilometer 6 vor dem Gewicht und dem Umfang des inzwischen gut gefüllten Beutels und ich ließ ihn in der Nähe eines Abfallbehälters stehen, um ihn später abzuholen. Froh, den Ballast los zu sein, lief ich den Rest der Strecke, jedoch nicht so locker wie geplant und nicht ohne den vielen Müll zu bemerken, der wohl in einer zweiten Runde aufzusammeln wäre. Dann aber bestimmt mit einer kleineren Tüte, weil: Plogging ist Sport!

“Na, hoffentlich kommt Dir jemand zuvor!” brummelt der fette Köter in mir. Vielleicht tut ihm jemand den Gefallen? Je mehr mitmachen, um so schöner wird Grevens Umgebung!

Nur damit beim Foto kein falscher Eindruck entsteht: der beim Laufen mitgeführte Beutel ist der durchsichtige auf der linken Seite. Den Rest (verschiedenste Kanister mit hoffentlich ehemals giftigem Inhalt) und eine Möbelhaus Tragetasche voll mit leeren Flaschen waren mein “Beifang” bei der Abholung des aufgesammelten Mülls.

Von Frank Simon

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